The power of mind...

The power of mind...

Ob im Sport oder Beruf, wir Menschen versuchen wenn es irgendwie möglich ist, eigentlich immer unser Bestes zu geben! Das ist uns von der Natur so vorgegeben! Denn in früher Urzeit als der Mensch noch natürliche Feinde hatte galt das Gesetz: "Der Stärkere, Schnellere und Geschicktere überlebt"! In der heutigen Zeit ist alles digitaler, bequemer und vor allem schnelllebiger geworden. Jedoch der urzeitliche Grundsatz ist dennoch existent.

Ich möchte das Ganze auf den Sport sowie den Alltag projizieren um so zu verdeutlichen was sich alles mit Willenskraft und Durchhaltevermögen erreichen lässt. Im Vergleich zu unserem menschlichen Körper sind unserem Geist und den Gedanken keine Grenzen und Limits gesetzt. Was im Umkehrschluss heisen soll, dass wir mit der mentalen Komponente unseren physischen Bestandteil unseres Körpers massiv beeinflussen können! Die Möglichkeit besteht sowohl in die positive als auch in die negative Richtung.

Ich stecke mir ein Ziel, dieses liegt zum jetzigen Zeitpunkt noch in weiter Ferne. Sportlich gesehen, ist es zum Beispiel mein Saisonhöhepunkt. In meinem speziellen Fall ist es die Durchquerung der Insel Fuerteventura. Also eine mehrtägige Belastung über eine Distanz von 160 Kilometern. Hierbei bereite ich als Sportler, meinen Körper gezielt mit einem Trainingsplan vor, so dass die sportliche Leistungsfähigkeit zu dieser Zeit ihren Höhepunkt erreicht. Weiterhin stelle ich meine Ausrüstung so zusammen, um auf die Eventualitäten dieses Unternehmens vorbereitet zu sein. Habe ich an alles gedacht? 

Nur wird man allein mit Training und Ausrüstung dieses Ziel nicht erreichen können! Denn einen der wichtigsten Aspekte wird meist vergessen oder nur eine untergeordnete Rolle zugestanden. Es ist die mentale Kraft: "The power of mind", die in sehr vielen Fällen über Sieg oder Niederlage, über Erfolg oder Misserfolg entscheidet! Denn spielt in solchen Situationen der Kopf nicht mit, scheitert die Mission! Nicht um sonst heißt es: "Gedanken versetzen Berge!" 

Wie geht es dir?

Als Erstes zitierte ich hier eine Unterhaltung zweier Trailrunner die ich vor einiger Zeit einmal mitbekommen habe:

Fragestellung Person 1:"Hallo, na wie geht es dir?" 

Antwort Person 2:"Mir geht es hervorragend, könnte nicht besser sein!"

Aussage Person 1: "Bis es dir schlecht, ist nur eine Frage der Zeit und der Länge des Trail´s!"

Zu Beginn habe ich die Aussage getroffen, dass wir zu irgendeiner Zeit an unser vermeintlich körperliches Limit kommen werden! Unser Körper wird uns Signale von Müdigkeit, Schmerzen, Hunger und Durst senden. Meist sind diese Signale jedoch zusätzlich von äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Hitze, Kälte, Nässe und anderen Faktoren in der Umgebung geprägt, die Diese verstärken. Hierbei muss einem klar sein, dass unser Körper ein ausgezeichneter Resource- Manager ist. Jene Managementqualitäten stammen aus unserer urzeitlichen Vorgeschichte, getreu dem Motto: "schalte mal lieber einen Gang runter, denn man weiß ja nicht was noch kommt." 

Wenn wir während einer Belastung die oben genannten körperlichen Signale erhalten, dann liegt es an uns wie wir damit umgehen! Wir benötigen jedenfalls Strategien zur Bewältigung. Was uns bewußt sein muss, ist wenn der Körper uns sagt es geht nicht mehr, sind gerade einmal 65 Prozent der Kapazität ausgeschöpft! Wichtig hierbei ist es aber, dass wir unseren Körper kennenlernen. Nur so ist es uns möglich zu differenzieren, welche Signale ersthafte Konsequenzen und welche nur einen Verlust der eigenen Komfortzone zur Folge haben. In diesem Zuge möchte ich gleich einmal unterstreichen, dass mentale Lösungsstrategien nicht dazu verleiten sollen, leichtfertig oder gar grob fahrlässig mit der eigenen Gesundheit umzugehen! 

Strategien

Um mit den dunklen Momenten während langer körperlicher Belastung im Sport oder Job umgehen zu können haben wir zwei Möglichkeiten:

  1. Resignation: Wir geben von der ersten Sekunde an nach und sagen hinterher es war alles doof. Weißen so alle Last von uns und schieben die Schuld des Versagens allen erdenklichen Gründen zu. Zusammengefasst, wir haben aufgegeben und reden uns danach einfach alles schön.
  2. Mentale Lösungsstrategien: Wir versuchen, das Ganze zu Analysieren, negative Impulse in positive umzukehren und vor allem dem Körper und der Situation erstmal durch mentale Stärke zu trotzen.

Hierzu möchte ich ein das "Manifest eines Trailrunners" aus dem aktuellen Buch "Lauf oder Stirb" von Kilian Jornet zitieren: 

"Kiss or kill, lauf oder stirb! Hol dir den Siegerkranz, oder stirb bei dem Versuch ihn zu erlangen. Verlieren heißt sterben, gewinnen heißt leben. Der Kampf ist es, der dich zum Sieg führt, zum Sieger macht. Wie oft hast du vor Wut und Schmerz geweint? Wie oft hast du vor Erschöpfung dein Erinnerungsvermögen, dein Stimme und deine Urteilskraft verloren? Und wie oft hast du dir in einer solchen Situation gesagt: "Jetzt erst recht! Ein paar Stunden noch, ein letzter Anstieg! Der Schmerz ist nicht real, er existiert nur in deiner Vorstellung! Kontrolliere ihn, zerstöre ihn, schalte ihn aus und mach weiter! Lass deine Gegner leiden. Gib es ihnen!" Ich bin egoistisch, nicht wahr? Sport ist egoistisch, weil man egoistisch sein muss, um kämpfen und leiden zu können, um die Einsamkeit und die Hölle zu lieben. Stehen bleiben, husten, frieren, die Beine nicht mehr spüren, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Blessuren, Blut... Was gibt es Schöneres?

Das Geheimnis liegt nicht in den Beinen, sondern in der Kraft, die dich hinaustreibt zum Laufen, auch wenn es regnet, stürmt oder schneit. Auch wenn Blitze direkt neben dir in Bäume einschlagen. Auch wenn Schneeklumpen oder Hagelkörner deine Beine, deinen fast nackten Körper gegen den Sturm voranpeitschen und dir die Tränen in die Augen treiben. Wenn du weitermachen willst, musst du die Tränen trocknen, damit du die Steine, die Hindernisse, den Himmel sehen kannst. Ja das Geheimnis besteht darin, die Partys, die Einladungen zu vergessen, ein Mädchen abzuweisen, die warme Decke abzuschütteln... all das zum Teufel zu jagen und rauszugehen in den Regen, bis deine Beine bluten, weil du in den Matsch gestürzt, wieder aufgestanden und weitergelaufen bist... so lange bis deine Beine schließlich aus Leibeskräften schreien : "Es reicht!" und dich auf irgendeinen fernen Gipfel während eines Unwetters im Stich lassen... bis zum bitteren Ende.

Die vom Schnee völlig durchnässte Laufhose, dazu der eisige Wind, der dir ins Gesicht peitscht und deinen Schweiß gefrieren lässt. Leichter Körper, leichte Beine. Spür wie die Kraft deiner Beine und das Gewicht deines Körpers konzentriert durch den Mittelfuß auf den Boden treffen und dabei einen Druck ausüben, der Steine zum Bersten bringen, Planeten zerstören und Kontinente bewegen kann. Mit beiden Beinen in der Luft dahinschweben wie ein Adler und schneller laufen als ein Gepard. Oder bergab, wenn deine Füße über Schnee und Matsch abwärtsgleiten, kurz bevor du erneut durchstartest, um dich so frei zu fühlen, dass du dabei vor Wut, Hass und Liebe zu schreien beginnst, im Herzen der Berge, wo nur die kühnsten Nager und die Vögel in ihren Nestern deine Beichte hören können... Nur sie kennen deine Geheimnisse, deine Ängste. Denn verlieren heißt sterben. Und du kannst nicht sterben, ohne alles gegeben zu haben, ohne dass Schmerzen und Wunden dich zum Weinen gebracht hätten. Du darfst nicht aufgeben. Du musst kämpfen bis zuletzt. Denn Ruhm ist das Allergrößte, und dein einziges Ziel muss sein, ihn zu erlangen oder auf der Strecke zu bleiben, nachdem du alles gegeben hast. Du musst kämpfen, leiden und sterben. Sonst hat alles keinen Sinn. Es ist an der Zeit zu leiden, es ist an der Zeit zu kämpfen, es ist an der Zeit zu siegen. Lauf oder stirb!" 

Dieses Manifest heftete sich Kilian Jornet an seine Wohnungstür, so dass er es täglich mehrfach sehen und lesen konnte. Hierbei stärkte er gebetsartig seine mentale Basis und verinnerlichte sich seine Werte und Ziele.

Das komplexe an mentalen Lösungsstrategien ist, dass es kein Pauschalrezept gibt, welches bei jedem funktioniert. Hierbei muss man einfach aufprobieren was einem im Falle des dunklen Moments hilft diesen zu verlassen. Bei Einen ist es ist es das Lieblingslied oder eine bestimmte Musikrichtung, bei dem Anderen ist es das Bild des Kindes das er sich ansieht. Wieder ein Anderer schreit laut um sich oder singt laut ein Lied. All das hat aber eine Gemeinsamkeit, sie verbannt die negative Energie und hilft einen anderen gedanklichen Fokus zu setzen. Jedoch darf hierbei nicht geschlussfolgert werden, das z. B. Schmerzen plötzlich nicht mehr existent sind! Diese sind schon noch vorhanden, sie werden nur an eine andere Stelle der Priorisierung eingeordnet. So kontrolliere ich durch meinen Geist den Körper und dessen Schmerz. "Ich sage wann Schluss ist! Ich sage wie weh es tut! Ich lasse es nicht zu das der Schmerz die Oberhand gewinnt!" Dies ist das Grundsystem, um mich mental zu stärken. Mentale Stärke erlangt man auch nicht von heute zu morgen. Aber ich habe die Möglichkeit ständig daran zu Arbeiten und diese auszubauen. 

Gerade bei langen Trail- Distanzen bekommt der mentale Aspekt eine völlig neue Bedeutung! Denn es gibt ein Sprichwort: "Den ersten Marathon läufst du mit den Beinen, danach kannst du auch noch fünf weitere laufen, denn die läufst du mit deinem Kopf" So ist es dann auch in der Praxis, die Ultra- oder NonStop- Distanzen mit einer Belastungszeit von mehr als 24 Stunden werden in 95% im Kopf bestritten. In so einer langen Belastungszeit ist es wichtig mental stark zu sein! Sonst katapultiert es dich bei einer unvorhergesehenen Änderung wie zum Beispiel einem Sturz, einem Wetterumschwung etc. sofort aus dem Plan, aus dem persönlichen Rhythmus und man wird nicht wieder zurückfinden. Resultat: "Rennen zu Ende (DNF)" Hier helfen dann die Strategien wie oben bereits erläutert oder man versucht es mit dem Prinzip: "zehn Sekunden für zehn Minuten". Diese Prinzip verwenden unter anderen auch Führungskräfte wenn sie den Überblick über eine Situation verloren haben. Hierbei wird sich für zehn Sekunden aus der Situation herausgezogen, um durchatmen und um die Gedanken neu ordnen zu können. Auch eine Langzeitbelastung von 50, 80, 100 oder 200 Kilometern kann einen ab einem gewissen Zeitpunkt oder bei einem plötzlichen Ereignis als ausweglose Situation erscheinen. 

Hierbei gilt es, "denk positiv, dreh deine Gedanke um" ein Ultraläufer denkt nicht bei einem Rennen über zum Beispiel 160 Kilometern: "ich muss noch 140 Kilometer zurücklegen bis zum Ziel" Er wird positiv in kleinen Etappen denken, denn sonst wird dies ganz schnell eine mentale Katastrophe! Hier ein Beispiel anhand des 160km Rennen:

" noch fünf Kilometer bis zur nächsten Verpflegungsstelle, noch zwei Kilometer dann ist diese Steigung vorbei. Ich habe jetzt schon 70 Kilometer zurückgelegt, noch 10 Kilometer, dann habe ich schon die Hälfte geschafft" Das Endziel der 160 Kilometer ist noch so weit weg, dass es im mentalen Fokus erst einmal ausgeblendet wird, da es im Moment noch unerreichbar zu sein scheint. Stattdessen wird in kleinen Schritten mit vielen Zwischenzielen gedacht und gearbeitet. Nach jedem erreichten Zwischenziel, fühlt es sich mental wie ein kleiner Sieg an, dies überträgt sich zum Einen auf die körperliche Verfassung und zum Anderen hilft es über die dunklen Stunden hinweg und plötzlich rückt das Endziel immer näher und wird greifbar. 

 

Von Profis lernen...

Dieses Thema wurde sicherlich lange Zeit belächelt, jedoch hat es einen sehr hohen Stellenwert im Profisport erreicht. Es wurde erkannt, dass ohne eine stabile mentale Konstitution keine Topleistungen erreicht und vor allem nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt abgerufen werden können. Mittlerweile hat fast jeder professionelle Athlet seinen Mental- Coach. Mental- Trainer sind derzeit in einer Vielzahl auf dem Markt zu finden.

Literaturempfehlung

Wenn ich also dein Interesse an diesem Thema geweckt habe, möchte ich noch die ein oder andere Literaturempfehlung aussprechen, hierbei handelt es sich um Bücher die ich selbst gelesen habe und die Strategien die ich bei mir selbst anwende. Wie gesagt, es gibt nun mal kein Pauschalrezept, dass bei jedem funktioniert. Deshalb heißt es ausprobieren und offen für das Neue zu sein! Immer dran denken: "THE POWER OF MIND!" 

 

Bis bald...

Euer Sebastian

 

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